Nach ihrem Skandalroman “Feuchtgebiete” ist nun das neue Buch “Schoßgebete” von Charlotte Roche erschienen. Die Autorin selbst versprach bereits in einem Werbevideo “Eine Achterbahn der Gefühle”. Genau dies schien auch der Piper-Verlag in Sachen Vermarktung für sich entdeckt zu haben. Vor der Veröffentlichung wurde die Leserschaft mit einer Mixtur aus Entblößung und Geheimniskrämerei aufgewühlt. Dieses Gefühl stets zwischen sich gegenseitig ausschließenden Emotionen zu stehen entwickelt sich auch beim Lesen des Buches. Man könnte es kurz mit abstoßendem Ekel und mitfühlendem Entsetzen beschreiben und doch wären noch nicht alle Empfindungen verpackt.
Erinnert man sich an den grellen pinkfarbenen Einband des Buches “Feuchtgebiete”, so wirkt das neue Werk “Schoßgebete” schon äußerlich erwachsener. Das Mädchen auf der naiven Suche nach einer sexuellen Persönlichkeit, welches auf eine teilweise trottelige Art für Ekel und Entsetzen sorgte, ist nun einer erwachsenen Frau gewichen. Aber auch “Schoßgebete” reizt mit seinen bis ins Detail fokussierten und unmaskierten Beschreibungen den Leser oft bis zur Ekelgrenze und darüber hinaus.
Bereits auf den ersten Seiten befindet man sich mitten in einer ausgiebigen Oralsex-Szene, welche natürlich bis in die kleinste Körperöffnung ausgeweitet wird. Die Erzählerin Elizabeth lebt auch sonst ein ausgiebiges und teilweise abnormal wirkendes Sexualleben, welches sogar im gemeinsamen Bordell-Besuch mit ihrem Mann mündet. Im Kontrast dazu fürchtet sie von den Nachbarn beim Sex gehört zu werden und lebt ein augenscheinlich spießiges kleinbürgerliches Leben in ihrer kleinen Patch-Work-Familie. In der Mitte des Romans erfährt man vom tragischen Unfalltod ihrer Brüder, welcher einen direkten Verweis auf die Biografie der Autorin darstellt, in Folge dessen sich die Erzählerin mit Selbstvorwürfen quält. Außerdem zieht sich durch die gesamte Handlung ein ganz bestimmter sexueller Wunsch der Hauptakteurin, welcher in gewisser Weise auch einen Ausbruch darstellt. Aber bei dieser knappen Zusammenfassung soll es auch bleiben, um den interessierten Lesern das Vergnügen nicht zu verderben.
Der Roman “Schoßgebete” ist genau das was man erwarten konnte, aber auch nicht mehr. Sicher hat die Handlung im Gegensatz zum Erstlingswerk einen gewissen Aufschwung erfahren, doch zu viel erwarten sollte man nicht. Das Buch “Schoßgebete” ist und bleibt leider eine sprachlich sehr karge und gedanklich eingschränkte vertextung einer übertrieben sexuallastigen Handlung mit zahlreichen Abgründen einer Persönlichkeit. Sicherlich kein sonderlich herausragendes Buch, dennoch lesenswert, schon allein aufgrund seiner polarisierenden Wirkung und dem ausgiebigen Diskussionspotential.
Dennoch bleibt kein Zweifel das “Schoßgebete” die Verkaufszahlen von “Feuchtgebiete” noch einmal toppen wird. Vorallem der Presserummel, aber auch die skandalösen Erwartungen hingehend des ersten Buches haben die Neugier des Publikums entfacht. Bei Amazon besetzt es bereits den Platz 1 der Verkaufsliste und weiter Erfolge werden sicher nicht ausbleiben. Das kleine Taschenbuch ist im Piper-Verlag erhältlich und hat durchaus das Potential eine langweilige Zugfahrt zu versüßen. Wer in den tragischen Genuss kommt selbst am Steuer zu sitzen kann zum Glück auf das Hörbuch zurück greifen, welches bereits angeboten wird.
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